Dezember 1st, 2011

Magischer November

Des einen Leid, ist des anderen Freud: Während die Schweizer Skigebiete und die Schnee-Liebhaber sehnlichst auf Schnee warten, kamen wir Gleitschirmflieger in den letzten Wochen in den Genuss von frühlingshafter Thermik, welche es üblicherweise im November kaum noch gibt:

Es war an einem Samstag im November. Jörg und ich machten uns auf der Suche nach Sonne auf ins Engelbergertal. Zwischen Stans und Grafenort herrschte jedoch dichter Nebel. Also hofften wir, wir würden zumindest in Engelberg blauen Himmel finden, und da der Sessellift bis zur Brunnihütte wahrscheinlich eh nicht fahren würde, könnte man ja notfalls hochlaufen. Kurz nach Grafenort, ein paar Höhenmeter mit dem Auto zurück gelegt, lichtete sich plötzlich der Nebel und – schwups – waren wir in einer anderen Welt: blauer Himmel, klare Sicht, majestätische Berge und: ein Sesseli, das bis nach ganz oben fuhr und noch nie was von „Zwischensaison“ gehört hatte. Auf dem Weg zur Schonegg sahen wir bereits einen ersten Schirm aufdrehen und Höhe machen. Eigentlich wollten wir bis zum Grat hoch wandern, doch als nach und nach mehr Schirme den Weg in die Höhe fanden, wurden wir ungeduldig und starteten auf halber Höhe der Schonegg, um zu sehen, ob’s was wird. Ein paar Minuten später fanden wir uns 700 Meter über dem Startplatz wieder. Der Blick ragte über das ganze Nebelmeer, welches an diesem Tag das ganze Mittelland abdeckte. Ein Blick und ein Erlebnis, welches sich einprägen würde. Was für ein Glück es doch ist, dort oben zu sein, die Aussicht geniessen zu können und den Kopf von allem freizukriegen!

Dass es doch Winter ist, war nur am Landeplatz festzustellen. Dieser lag nämlich ab ca. 14 Uhr im Schatten und dementsprechend kalt – um einiges kälter als in der Luft – war es dann auch beim Schirm zusammenpacken.

Am darauf folgenden Tag, am Sonntag, hatte es sich herumgesprochen, dass es in Engelberg Thermik und keinen Nebel gibt. Also machten sich so ca. alle Piloten, aus dem Umkreis von geschätzten 200 Kilometer auf nach Engelberg. Und siehe da: auch am Sonntag gab’s für alle Thermik und eine unglaubliche Aussicht auf’s Nebelmeer. Wahrscheinlich mehr als 100 Piloten (gefühlte10’000) waren an diesem Tag in Engelberg anzutreffen. In der Luft herrschte dementsprechend viel Verkehr. Zitat Thomi: „Zeitweise verdunkelte sich der Himmel, so viel Tuch war auf engstem Raum in der Luft!“ Zum Glück waren alle schön diszipliniert und flogen rücksichtsvoll und in derselben Richtung im Kreis – so kam es zu keinen Zwischenfällen. Zwei perfekte Tage, mit unerwarteten Thermikflügen – ein Traum!

Auch eine Woche später herrschte reges Treiben in der Luft im Engelbergertal. Vom Gummen aus konnten wir sehen, wie am Haldigrat und in Engelberg ordentlich Höhe gemacht wurde. Für uns ging’s dann aber „nur“ auf einen Gleitflug zur Brändlen und von dort zurück nach Dallenwil zum Auto – ein Hike&Fly&Fly durch’s Engelbergertal. Auch ohne Thermik ein gelungener Flugtag!

Mit dem Bild vom Haldigrat im Kopf, liessen wir uns es nicht nehmen, eine Woche später dorthin zu gehen. Gleich zehn (!) PGZH-Piloten liessen sich zu einem Hike&Fly von der Brändlen zum Haldigrat (ca. 800 Höhenmeter) überreden, obwohl doch eigentlich ein Sesseli dort rauf fährt 🙂 Die Wanderung ist aber höchst empfehlenswert! Der grösste Teil führt über einen schönen Weg an der Sonne hinauf zum Gigi. Bei frühlingshaften Temperaturen wanderten wir gemütlich bis zum Grat hinauf. Nach ca. zwei Stunden kamen wir im Restaurant an, wo es erst mal eine Stärkung gab. Die Pause fiel relativ kurz aus, da schon ein kräftiger Wind blies. Also nichts wie los zum Startplatz. Dort angekommen, versuchten sich gerade einige im Starkwind-Starten mit mehr oder weniger kontrollierten Starts. Es brauchte etwas Geduld, bis man die Leinen sortiert und sich richtig eingehängt hatte, und war man mal startbereit, musste noch eine windschwache Phase abgewartet werden. Doch nach einiger Zeit hatten es alle unsere Leute sicher in die Luft geschafft und dann ging das Vergnügen los: Soaring vom Feinsten am Haldigrat, dazu eine klare Sicht, wie ich sie selten dort oben erlebt habe. So, als könnte man die halbe Welt sehen – einfach traumhaft! Da mein Vario gerade streikte, musste ich mich ohne Gepiepse oben halten, was bei diesem starken Wind aber nicht wirklich ein Problem darstellte. Der Wind nahm immer mehr zu, weshalb wir uns, mit genügend Höhe, mal Richtung Wolfenschiessen auf machten. Unterwegs gab’s zum Teil ohne Beschleuniger fast kein Vorwärtskommen mehr. Doch die Höhe reichte gut, um die Brändlen hoch zu überfliegen und im Haupttal noch einige Kapriolen machen zu können und schliesslich auf dem riesigen, schönen Winterlandeplatz zu landen. Das riesige Grinsen auf unseren Gesichtern war nicht zu übersehen. Was für ein Flug! Was für ein Monat! Und dabei wäre doch eigentlich Winter …

Ein wahrlich magischer November!

Barbara

Fotos

Video


  |  Dezember 1st, 2011  |   Filed in Posts
Tagged with ,

Leave a Reply