Juli 19th, 2015

Flachlandabenteuer in Mazedonien

Es war in Südfrankreich im Herbst 2014 als mir Verena und Andy von Mazedonien vorschwärmten: „Schöne Thermik, und man kann wirklich überall landen!“
Es klangt eigentlich fast zu gut um wahr zu sein. Doch sie sollten Recht behalten …

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Am Samstag, 4.7.15 hob das Flugzeug mit einer gutgelaunten Gruppe an streckenhungrigen Piloten in Richtung Mazedonien ab. Wenig später wurden wir von Andi, Vreni und unserem Fahrer Toni in Skopje in Empfang genommen. Nach der Fahrt nach Krushevo gab’s spät abends noch etwas zu Essen und danach ging’s auch gleich ins Bett, schliesslich wartete eine Woche Flugwetter auf uns!

Am ersten Flugtag galt es sich mit dem Startplatz, dem Startschlauch und der Umgebung vertraut zu machen. Einige Piloten meisterten auch gleich den ersten Task von ca. 50 Kilometern. Ich fand mich nach einem kurzen Flug ausserhalb des ersten Dorfes wieder – abgesoffen. Kaum zusammengepackt wurde ich auch schon vom Rückhol-Shuttle aufgesammelt und an den Startplatz zurückchauffiert.

Auch an den kommenden zwei Tagen warteten spannende Aufgaben auf uns, die jeweils in einem morgendlichen Briefing ausführlich besprochen wurden. Die Tasks führten durchs Flachland, was für den einen oder anderen Bergpiloten gar nicht so einfach war. Meistens trug es im Flachen zuverlässig, doch die Schläuche mussten auch erst gefunden werden. Und so fand sich der eine oder die andere ab und zu früher am Boden als gewünscht. Dafür gab es interessante Begegnungen mit den sehr gastfreundlichen, unkomplizierten Mazedoniern oder ein kühles Bier in der nächsten Beiz.
Und fand man den Schlauch, durfte man die ungewöhnlich sanfte Thermik geniessen und Höhe tanken – so macht fliegen Spass!

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Am Mittwoch präsentierte uns Andy einen 100er FAI-Dreieck Task. Der Wind war schwach und die Thermik stark, allerdings war es von Tag zu Tag stabiler geworden. Schon die Startphase zeigte, dass es nicht einfach werden würde. Einige kämpften gegen das Absaufen – das Schöne an diesem Tal ist, dass man bis zum Boden stets die Chance hat, wieder aufzudrehen, da es keine Hindernisse gibt. Nach einigen Kilometern war für mich der Flug auch fast vorbei und ich wollte zur Landung ansetzen. An einem kleinen Hügel fand ich noch etwas Thermik, tat mich aber schwer wieder an Höhe zu gewinnen. Die Hitze so nah über Boden erschwerte das Ganze (es wurde bis zu 40 Grad heiss im Tal). Ein motivierender Funkspruch brachte die nötige Energie weiterzumachen, schliesslich waren die Thermik und der Tag zu schön, um einfach aufzugeben! Mit Dani, der ein paar Höhenmeter verloren hatte, ging es dann zusammen tief über dem Boden auf Thermiksuche. Nach zwei Schläuchen, die uns etwas Höhe brachten, ging’s ins nächste Dorf. Dort kamen wir wieder tief an und das Spiel ging von vorne los. Schliesslich brachte uns die „Power of positive Sinking“ wieder hoch. Vreni wartete derzeit geduldig auf einer Atomhöhe auf uns undfai_dreieck begleitete uns auf dem weiteren Weg. Während Dani eine super Linie erwischte und bis auf 3‘000 M.ü.M. aufdrehte, fand ich mich erneut auf tiefer Höhe. Doch in Prilep wollte ich auch nicht landen, also wieder hochkurbeln. Nach diesem Schlauch fand ich auch eine gute Linie, welche mich ohne Sinken vorwärts brachte. Kurz vor Prilep, bog ich links ein und flog entlang der Strasse nach Krushevo und durfte einen entspannten „Final Glide“ bis kurz vor Krushevo geniessen. Nach knapp 5 Stunden landete ich auf einem grossen Feld und wurde bald darauf auch schon abgeholt und zum Landeplatz in Krushevo gefahren, wo meine Flugbegleiter warteten. Ein unglaublich schönes Flugerlebnis! Die Berner-Truppe schaffte sogar den gesamten Task und flog nur knapp am Lokalrekord vorbei!

Am Abend assen wir in einer sehr abgelegenen Skihütte – zu entsprechendem Sound – perfekt grilliertes Fleisch und liessen so diesen wunderschönen Tag ausklingen.

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Am Donnerstag kamen Gewitter auf und es labilisierte. Der Task war daher kurz gehalten, damit alle rechtzeitig auf dem Boden waren, sollte es überentwickeln.

Am Freitag streifte uns eine Front, die eigentlich hätte weiter nördlich vorbeiziehen sollen. Also erholten wir uns von den vielen Flugstunden und gingen das Dörfchen Krushevo und die Stadt Prilep erkunden. Am Abend trocknete es schliesslich ab und es gab noch ein bis zwei Gleitflüge ins Tal. Zum Abendessen gab es in Krushevo wie gewohnt mazedonische Spezialitäten, u.a. Krushevo Pot, so eine Art mazedonisches Fondue 😉
Danach stürzten wir uns noch ein wenig ins Nachtleben und liessen die vergangenen Abenteuer Revue passieren.

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Am Abreisetag herrschte einmal mehr Nordwind, was nicht nur gut für Krushevo ist, sondern auch für den Vodno in Skopje. Also gingen wir in der Hauptstadt fliegen, bevor wir dann mit dem grossen Flieger nach Hause flogen. Über der Stadt war super Thermik zu finden. Allerdings durfte man wegen der CTR vom Flughafen Skopje nicht zu hoch aufdrehen. Schliesslich war das Runterkommen eher schwierig, weil die Thermik wirklich stark war. Nachdem alle gelandet waren, gab’s eine Stärkung in einer Bäckerei. Danach war Abschied nehmen angesagt.
Einen Genuss-Flug durften wir auf der Reise nach Zürich erleben, war doch das Flugzeug fast leer und die Platzwahl (fast) frei 🙂

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Wieder mal übertraf eine Reise mit Flywithandy alle Erwartungen! So durfte ich wertvolle Flugerfahrung sammeln, aber auch Einiges über Wetter, Flugtaktik und Flachlandfliegen lernen, neue Flug-Gspändli und nicht zuletzt ein schönes Land mit sehr freundlichen Leuten kennenlernen!
Allen, die gerne in sanfter Thermik kreisen und entspannte Flüge erleben möchten, denen sei Mazedonien wärmstens empfohlen!

Grossen Dank geht ans Flywithandy-Team (www.flywithandy.ch) für die perfekte Organisation, für die vielen Tipps, fürs Vorfliegen und für das Rückholen aus der Pampa 😉
Vielen Dank auch an Zlatko, unserem lokalen Guide und Fluglehrer, der uns mit Tipps für die Routenwahl optimal ausrüstete und jeden mazedonischen Thermikschlauch mit Vornamen kennt 🙂

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Bis zum nächsten Mal!
Barbara

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