April 8th, 2018

Tanz auf dem Vulkan – Sizilien 2018

Am Karfreitag, 30.3.2018 machten sich neun PGZH-Mitglieder, sowie sieben weitere Pilotinnen und Piloten auf nach Sizilien, um ein paar sonnige Tage im Süden zu verbringen. Die Reise hatten wir bereits im Sommer 2017 bei Flywithandy.ch gebucht, entsprechend gross war die Vorfreude. Zudem war ich im letzten halben Jahr fast nie in der Luft – Flugferien kamen da genau richtig.

Und wir hatten Glück: während es das Wetter in der Schweiz über Ostern nicht gut meinte und sogar Schnee fiel, schien am Samstag, am ersten Flugtag, auf Sizilien die Sonne. Wir waren in einer Pension in Calatabiano, welches in der Nähe von Catania liegt, untergebracht.

Nach dem Frühstück ging es gut gelaunt ins erste Fluggebiet in der Nähe von Taormina. Auf dem Monte Veneretta erwartete uns bereits sanfter Aufwind und ebensolche Thermik. Wenig später verzierten unsere bunten Schirme den Himmel über Letojanni. Die Landung erfolgte am Strand. Den ersten absolvierten Flug versüssten sich Einige mit einem leckeren Gelato, welches direkt am Landeplatz auf uns wartete (wie toll, dass unser Guide nicht nur die besten Lande- und Faltplätze aufzeigte, sondern immer auch erwähnte, wo die nächste Gelateria war 😊 ).

Flug: https://www.xcontest.org/world/en/flights/detail:BarbaraW/31.03.2018/09:28

Anschliessend ging es auf den Gallodoro, wo wir einen zweiten Flug machen und am gleichen Strand landen konnten. Der Flug war eher kurz, aber nicht weniger schön. Da auf den späteren Nachmittag starker Wind angekündigt war, stellten wir das Fliegen ein und hatten dafür noch Zeit das Städtchen Taormina und dessen berühmtes antike Theater zu besichtigen, welches wir zuvor aus der Luft begutachten konnten. Es hatte schon einige Touristen vor Ort – man mag sich nicht vorstellen, wie voll es in den Sommermonaten in diesen engen Gassen wird.

   

Am Sonntag kam, wie prognostiziert, starker Wind auf. Wir versuchten in Zafferana einen Flug zu machen. Das Fluggebiet wird vom Ätna vor dem Wind geschützt. Allerdings war der Wind so stark, dass sicheres Fliegen nicht möglich war. Anstatt noch länger auf weniger Wind zu warten, wechselten wir zum Alternativprogramm: Spazieren auf dem Ätna. Allerdings bliess der Wind dort oben so stark, dass wir schon fast ohne unsere Schirme fliegen konnten. Mit fast 100 Km/h wurde es auf dem Grat eines Kraters schon sehr ungemütlich, so dass man zum Teil nur noch auf allen Vieren vorwärts kam. Dafür war die Haut danach frisch gepeelt 😉 Ein Abenteuer der anderen Art. Dennoch war der Tanz auf dem Vulkan ein willkommenes Alternativprogramm.

Bereits am Sonntag Abend schlief der Wind glücklicherweise wieder ein, so dass am Montag der nächste Flugtag auf dem Programm stand. Michael, unser Guide, hatte sich für Caltagirone, ein Ort inmitten der Insel, entschieden. Der Startplatz liegt auf dem Monte Scala, von welchem man einen schönen Ausblick auf die sanfte, grüne Hügellandschaft hat. Man fühlt sich ein wenig ans Auenland aus der Herr der Ringe erinnert. Es fehlte nur noch, dass ein Hobbit aus einem der Hügel kam 😊

  

Die Flüge dort waren, trotz zum Teil turbulenter Luft, sehr schön. Mit genügend Höhe tauchte am Horizont der Ätna mit seiner weissen Haube auf. Gelandet wurde auf einem geeigneten Feld oder auf dem offiziellen Landeplatz, welcher mit kniehohem Gras bewachsen war. Für uns Schweizer schon eher ungewöhnlich, sollte doch immer möglichst vermieden werden, im hohen Gras zu landen. Die sizilianischen Bauern sehen dies offenbar anders und stören sich nicht daran, wenn ihr Gras zertrampelt wird. Im Gegenteil: sie winken freundlich zu und freuen sich, dass etwas Leben in diese einsame Gegend kommt. Die untergehende Sonne tauchte die Landschaft am Abend in wunderschönes Licht.

Beim Abendessen genossen wir Fisch und Meeresfrüchte in allen Formen und Farben – und à discretion. Eines ist sicher: hungern muss man auf Sizilien nicht.

Flug: https://www.xcontest.org/world/en/flights/detail:BarbaraW/2.04.2018/12:23

Der Dienstag brachte schliesslich das perfekte Wetter, um auf den Ätna zu gehen – dieses Mal mit unseren Schirmen. Mit einer Gondelbahn geht es hoch auf fast 2’600 MüM. Nach einem kurzen Fussmarsch standen wir am Startplatz, wo der Aufwind bereits kräftig bliess. Auf Anraten von Michael zögerten wir nicht lange und machten uns bereit. So hoch oben war es ganz schön kühl, weshalb man auch nicht freiwillig länger hätte rumstehen wollen. Sollte die Höhe reichen, um das 20 Kilometer entfernte Meer zu erreichen? An bestimmten, jedoch lange nicht an allen Flugtagen, ist es möglich bis dorthin zu fliegen. Ausweichlandeplatz ist ein Platz in Zafferana, welches am Fusse des Ätna liegt. Der Start ging, trotz des starken Windes, erstaunlich einfach. Danach folgte ein langer Gleitflug über die riesige Lavalandschaft (in welcher man besser nicht landet 😉 ). Mit Rückenwind ging es mit 60 Km/h in Richtung Meer

 

Es herrschten ideale Verhältnisse um das Meer zu erreichen, wieso ich mich über dem Zafferano-Landeplatz entschied, den Weg auf mich zu nehmen. Nach einer halben Stunde tauchte der Strand unter mir auf. Ein beruhigendes Gefühl – hätte es während des Fluges doch nur wenige Landemöglichkeiten gegeben, da entweder Häuser, Sträucher oder vor allem Leitungen die Landung erschwert hätten. Auf dem weichen Sand zu landen, nachdem man im Schnee auf 2’600 MüM gestartet war, ist wohl etwas vom Eindrücklichsten, was man als Gleitschirmpilotin erleben kann. Für mich jedenfalls war es ein eindrückliches, bewegendes Erlebnis. Ein grosser Dank an dieser Stelle an Michael und Team (Marco und Federico), welche dafür gesorgt haben, dass wir immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren!!!

Flug: https://www.xcontest.org/world/en/flights/detail:BarbaraW/3.04.2018/09:03

 

Wie üblich war die nächste Gelateria nicht weit. So gönnten wir uns eine kurze Mittagspause bevor wir uns erneut auf den Monte Veneretta aufmachten. Oben angekommen standen wir schon fast in der Basis, welche sich immer tiefer zu senken drohte. Nun durfte keine Zeit vergeudet werden. Innert Minuten war die ganze Gruppe in der Luft. Die Zeit reichte gerade noch, dass auch der letzte Pilot starten konnte, bevor die Sicht am Startplatz ganz weg war. Am Rande der Wolke konnten wir nun soaren und aufdrehen. Dies direkt über dem Meer, was wiederum für eindrückliche Momente sorgte. Nach der Landung am Meer liessen wir diesen erlebnisreichen Flugtag gemütlich ausklingen.

Am nächsten Tag, Mittwoch, war ein erneuter Tapetenwechsel angesagt. Dieses Mal flogen wir bei Assoro, welches so ziemlich in der Mitte der Insel liegt. Hier zeigt sich auch wie vielfältig Sizilien und diese Flugferien sind: grosse, weite, grüne Flächen, umringt von Hügelzügen und felsigen Kanten. Zunächst mussten sich die beiden Busse durch die engen Gassen von Assoro quetschen. Zum Teil waren nur noch wenige Zentimeter (oder gar keine mehr 😉 ) zwischen Bus und Hausmauer.

Assoro

Am Startplatz duftet es nach Minze, Kamille und anderen Kräutern. Der Platz ist allerdings anspruchsvoll, da er nicht direkt vom Wind angeströmt ist und der Schirm zuerst mit einem Impuls in das Windfenster gezogen werden muss. Michael hatte einiges zu tun und musste auch den einen oder anderen Piloten mit gekonntem Eingreifen in die Leinen in die Luft befördern (oder vom Himmel pflücken, wenn diese mit einem riesigen Knoten in den Leinen ungewollt in die Luft gehoben wurden 😉 ).

Im Laufe des Tages wurde die Thermik grossflächig und sanft, so dass gemütliches Fliegen inmitten dieser tollen Landschaft möglich war. Meinen Flug schloss ich mit dem Abfliegen der benachbarten Kante ab und landete schliesslich auf einem Acker, am Ende des Tals.

https://www.xcontest.org/world/en/flights/detail:BarbaraW/4.04.2018/12:58

Ein weiterer geglückter Flugtag!

Die Flugmöglichkeiten auf der Sizilienreise sind sehr zahlreich und vielseitig. So fanden wir uns am Donnerstag auf der Autofähre nach Kalabrien wieder. In Bagnara erwartete uns ein Bilderbuch-Startplatz: gross, grün, perfekte Neigung und das Meer und der Landeplatz in Sichtweite. Zuerst mussten aber die Reste des vorangegangenen Abendessens vertilgt werden. Noch nie zuvor bin ich mit einer Pizzaschachtel zum Startplatz gelaufen 😊 Die Pizza am Startplatz machte das Italien-Flair perfekt.

Mit gefülltem Magen ging es anschliessend in die Luft. Es war aber nicht die Pizza, sondern das Wetter und die eher bescheidene Thermik, welche nur kurze Flüge ermöglichte. Hätte am Vortrag in Assoro ein Betonmischer in der Thermik aufsteigen können, brauchte es dieses mal Fingerspitzengefühl um Höhe zu machen. Eine kleine Flächenbelastung half sicherlich auch dabei.

Es reichte für zwei Flüge, bevor uns eine kurze kleine Front erreichte. Zum Glück bot eine kleine Garage Platz um uns und vor allem die Schirme ins Trockene zu bringen. War ich zuvor noch etwas genervt beim zweiten Flug abgesoffen zu sein, war ich nun froh, dass der Schirm bereits gepackt war, bevor es zu regnen begann.

 

Nach einem ausgiebigen Focaccia-Essen (ich hätte nicht gedacht, dass Focaccia so variantenreich sein kann …) ging es schliesslich zurück zu unserer Home-Basis.

Von dort aus ging es am nächsten und letzten Flugtag wieder auf ein Schiff, dieses Mal auf ein Schnellboot, welches uns in ca. 50 Minuten auf die Insel Vulcano brachte. Diese kleine Insel gehört zur äolischen Inselgruppe und liegt nördlich von Sizilien. Der Wind war stark, als wir die Insel erreichten, jedoch sollte er im Laufe des Tages schwächer werden. So blieb zunächst Zeit die Insel zu Fuss zu erkunden. Der Schwefel, der an verschiedenen Stellen aus den Felsen austritt, verbreitet einen nicht gerade angenehmen Duft. Die grossartige Landschaft macht das Ganze jedoch wieder wett.

Am Nachmittag war der Wind weiterhin stark, dennoch machte sich die Hälfte der Gruppe mit einem Taxi auf an den Startplatz. Der andere Teil der Gruppe ging mit dem Boot zurück nach Sizilien, um dort in einem anderen Gebiet zu fliegen. Am Startplatz auf Vulcano angekommen, bliess uns der Wind stark um die Ohren. Die Sicht fehlte meistens. Wir gaben die Hoffnung jedoch nicht auf, in diesem wunderschönen Gebiet fliegen zu können. Nach einigen Stunden Parawaiting, Landeplatz-Rodung, Turnübungen, etc. mussten wir das Vorhaben dennoch canceln, da das letzte Schnellboot nicht auf uns warten würde. So bleibt ein Fluggebiet auf der Todo-Liste, welches ich hoffentlich auf einer nächsten Sizilien-Reise werde befliegen können. Nichts desto trotz blieb die Stimmung immer gut und lustig, was der tollen Gruppe zu verdanken ist. Zudem war der Ausflug auch ohne Flug sicher eine Reise wert!

Nach einem letzten italienischen Nachtessen war schliesslich packen angesagt und am Samstag in den frühen Morgenstunden ging’s schliesslich zurück zum Flughafen. Dass wir mit dem Flugzeug noch einen Rundflug um den Ätna machten, war der krönende Abschluss dieser Reise.

Eine sehr abwechslungsreiche, flugreiche, sonnige, lustige und unvergessliche Reise ging damit zu Ende. Es war toll, ein weiteres Stückchen Erde aus der Luft erkunden zu dürfen und dies in Begleitung von tollen Leuten! Ein grosses, herzliches Dankeschön geht daher an die super Truppe und natürlich auch an Michael, Marco und Federico!

Barbara

 

 

 

 

 


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