März 28th, 2012

San Fermo 2012

Schon vor einem Jahr, als ich mich über die Gegend um das Stätdchen San Fermo erkunden wollte, stiess ich auf eine ganz interessante Homepage. Allein die Adresse war schon Programm: www.quaeldich.de. Es sollte sich herausstellen, dass hinter dieser Homepage eine Community für Rennvelobegeisterte steht, die den Serpentinenweg, der zu den Colli di San Fermo führt, ausführlich beschreibt. Mehr Informationen konnte ich damals nicht herausfinden, ausser ein paar Flüge im Xcontest und der Homepage des Hotels. Die Begeisterung für Andy Flühlers Reisen war nach der ersten Reise nach Andalusien ohnehin so gross, dass ich nicht lange nachdenken musste und die Reise nach San Fermo buchte. Wie es dann so kommen sollte, war ich von den Colli di San Fermo so begeistert, dass ich nun schon zum zweiten Mal dabei bin.

Colli di San Fermo ist eine kleine Ortschaft, die zu der Provinz Bergamo gehört. Sie liegt eingebettet im Osten des Lago d’Iseo und im Westen der Stadt Grone, in den Bergamasken Alpen, einem vorgelagerten Alpenteil. Die Berge erheben sich hier circa 1200 M.ü.M. und bilden ein Kette, die einem Hufeisen gleicht, die Richtung Südosten ausgerichtet ist. Abgesehen von der mitteleuropäischen Wetterlage (leichte Südlagen, flache Hochs, aber auch leichte Nordostlagen sind bevorzugt) entsteht durch die Sonneneinstrahlung ein typisches Tagesgang-Wetter. Die Alpen, die nicht weit entfernt im Norden gelegen sind, erwärmen sich und die Luft steigt hier auf, wodurch die Luft von der Poebene „angesaugt“ wird. Somit entsteht an den Colli di San Fermo ein schöner Hangaufwind, der während des Tages auch noch Unterstützung von den thermischen Ablösungen erhält. Beste Bedingungen um hier das Rückwärtsstarten zu erlenen und zu üben.

 

Vier, sogar fünf Stunden am Tag kann man sich auf den verschidenen Startplätzen vergnügen.  Nach einer kurzen Demonstration von Andys Rückwärtsstart-Technik gelingt das auch schon viel besser. Sollte der eine oder andere aus Versehen beim Groundhandlen am Hang mal abheben, so steht Andy am Funk bereit und begleitet einen bei seiner ersten Toplandung. Das Gefühl immer wieder selbst bestimmen zu können wann man abhebt, um dann durch den Hangaufwind etwas Höhe zu gewinnen und dann wieder Toplanden zu gehen, ist unbeschreiblich und sollte von jedem Gleitschirmpilot mal erfahren werden. Mir kommen die Alpendohlen in den Sinn, die man oft an den alpinen Startplätzen spielen sieht, nur nicht ganz so elegant ;-). Das Wetter zeigte sich von seiner guten Seite und ich habe selten so wundervolle Flugferien geniessen können.

 

Schon am ersten Tag nach der Anreise versammelte uns Andy am Startplatz und wir konnten die ersten Aufziehübungen durchführen und Bekanntschaft mit den Modellfliegern machen, mit denen wir über die Länge des ganzen Weekends das Gebiet teilen würden. Da wir selbst Modellflieger unter uns hatten und der italienischen Sprache halb mächtig waren, konnten wir uns gut verständigen und die gemeinsame Nutzung unseres beliebten Mediums Luft gut organisieren. Ganz nach dem Motto: Wir spielen hier, ihr bitte da drüben, dann ist gut!

 

Nach einem langen Tag, waren wir dann sehr glücklich, in unserem Hotel die Gastfreundschaft des Eigentümers und seiner Frau zu geniessen und die ersten Bekanntschaften mit den Gruppenmitgliedern zu schliessen.

 

Am nächsten Morgen ging es nach einem nahrhaften Frühstück ins Briefing. Samt Beamer und MacBook sollten die Starts per Video analysiert werden und der eine oder andere glückliche „Hauptdarsteller“ durfte dann einen persönlichen Kommentar zu seiner Umsetzung erwarten. Das Highlight des Briefings sollte aber die Enthüllung des täglichen Tasks werden. Kein geringerer als Jörg Ewald, erfahrener PWC-Pilot, sollte uns die heutige Streckenflug Aufgabe näher bringen. Unser Ziel war ein vorgelagerter Berg am Ufer des Lago d’Iseo (siehe Bild).

Nach einer kurzen und prägnanten Erklärung zur Flugstrategie durften wir schon bald unsere Flugkünste auf die Probe stellen. Am heutigen Tag starteten wir an einem etwas höher gelagertem Startplatz der überhalb des Hotels liegt. Wir begannen unseren fliegerischen Tag, wie meistens während dieser Ferien, mit ein bisschen Groundhandlen und Toplanden. Als die Verhältnisse es erlaubten, schwang sich der Grossteil der Gruppe in die Lüfte. Was jetzt kam, war eines meiner besten Erlebnisse in diesen vier Tagen. Es bildete sich eine kleine „Vorflieger“-Gruppe, angeführt durch das Alpha-Tier (wegen seines Advance Schirmes so genannten) Fredy und eine zweite Gruppe in der sich Marcel, Roger, Rahel und ein paar weitere befanden. Zusammen fliegen heisst auch immer von einander lernen und dieses wunderschöne Erlebniss teilen, etwas was es noch viel schöner macht.

Nach circa einer Stunde, die einen vorher die einen etwas später, landeten wir am Toplandeplatz beim Kreuz und nach einem kurzen Gruppenfoto schwangen wir uns erneut in die Luft und nahmen den Rückflug in Angriff. Was für ein Genuss! Eingebettet in dieser wundervollen Umgebung und mit der Gewissheit, dass Andy am Startplatz für den eventuellen Rückholdienst alles im Griff hat.

 

 

 

 

Abends konnten wir die erlebten Ereignisse miteinander austauschen und über die schöne Thermik und die Flugverhältnisse weit über die Dauer des Abendessens hinweg philosophieren. Wer kennt das nicht, dieses Gefühl nach einem erfolgreichen Flugtag? Man kann es kaum glauben, aber auch am dritten Tag war das Flugwetter gut und obwohl die Thermik leider sehr verrissen war, bedingt durch den hohen Temperaturgradienten (0.8 Grad/100m) konnten wir den ganzen Tag fliegen und Groundhandlen. San Fermo, ein Spielplatz für Gleitschirmpiloten, könnte man da sagen!

Am späten Nachmittag waren wir dann fast nicht traurig, als die ersten Überentwicklungen für Abschattung und etwas Niederschlag sorgten. Abends sorgte dann ein Vortrag von Marcel für Unterhaltung, er teilte in seinem Vortrag spannende Ergebnisse aus der Entwicklung vom Liegegurtzeug Impress 3 von Advance mit uns, bevor wir dann den Abend mit einem gutem italienischen Abendessen und etwas Musik abklingen liessen. Barbara’s Geburtstag konnten wir dann mit etwas Sekt und Musik von der hoteleigenen „Tanzstube“ feiern.

 

Nach so wundervollen Tagen konnte ich fast meinen Augen nicht glauben als ich das Emagramm vom Flughafen Mailand Linate früh morgens sah! Der Temp war wieder sehr hoch, aber nicht so hoch wie zuletzt und somit definierte sich an diesem Tag die Thermik etwas besser um den Kern, was uns ermöglichte wieder mal ein „Schulreisli“ durchzuführen. So haben wir diesen Streckenflug dann genannt, da wir wieder in einer grossen Gruppe zum Toplandeplatz am See flogen. Was für ein wunderbarer Abschluss dieses langen Weekends in San Fermo! Für manchen Teilnehmer dieser Reise und für mich ist eines gewiss:  die Reise nach San Fermo ist der Saisoneröffner und wird einen fixen Platz in meiner Ferienplanung einnehmen.

Maximilian


Video von Fredi


Video von Barbara

Flug Maximilian
Flug Rahel
Flug Marco
Flug Eva
Flug Barbara

 


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One Response to “San Fermo 2012”

  1. Super Bericht, Max! Die vier Tage hätten nicht besser sein können: perfektes Wetter, super Leute, tadellose Organisation, köstliches Essen, und, und, und
    Vielen Dank an alle, die dabei waren und besonderen Dank an Andy und Team!
    Barbara

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