Januar 30th, 2012

Südafrika

Nach einem kaum fliegbaren Dezember war die Freude auf den Januar bei mir extrem gross: drei Wochen Flugferien in Südafrika standen auf dem Programm.

Die Erwartungen waren sehr gross, waren doch einige Flugkollegen bereits dort und erzählten nur das Beste von diesem Land.

Etwas nervös war ich schon, als ich mich auf den Weg zum Flughafen machte – kannte ich doch kaum jemanden der Gruppe. Doch als sich am Flughafen Zürich unsere Gruppe zusammenfand, waren die Bedenken im Nu verflogen. Eine sehr ausgeglichene und harmonische Gruppe fand sich da zusammen, um gemeinsam flugreiche und entspannte Ferien in Südafrika zu erleben.

In Kapstadt wurden wir von Andy, unserem Reiseleiter, Barry, dem lokalen Guide, und dessen Frau Candice, empfangen und gleich ins Birdmen Guesthouse in Table View chauffiert. Nach einem ersten Briefing ging’s auch schon ins Bett, da uns am nächsten Tag eine fünf-stündige Reise in die Wilderness-Area bevorstand.

In Wilderness angekommen, gingen wir zuerst zur „Map of Africa“. Ein Soaring-Gebiet am Meer, mit sehr einfachem Start- und Landeplatz, wo wir uns gemütlich an die afrikanischen Flugbedingungen gewöhnen konnten.

Wir blieben eine Woche lang in Wilderness, stationiert im neuen Guesthouse von Birdmen, in Sedgefield. Von dort aus gingen wir nach Sedgeview zum Thermikfliegen und zur wunderschönen Paradise Ridge und zum Gerricka’s Point zum Soaren. Der Start bei Gerricka’s Point benötigte etwas Überwindung, da der kleinere Startplatz, welchen wir benutzten, nicht viel grösser als ein Gleitschirm ist und es danach steil runter ins Meer geht. Mit Barrys Hilfe schafften es jedoch alle sicher in die Luft. Der Flug dort war einfach atemberaubend: grossflächiges, sanftes Steigen an der Ridge, aber auch einige Meter weiter aussen im Meer. Höhe machen, raus fliegen, Wingovern, zurück fliegen, Höhe machen, wieder ins Meer rausfliegen, die Aussicht geniessen – ein Traum! Die zehn Kilometer lange Paradise Ridge liegt direkt um die Ecke von Gerricka’s Point. Gestartet wird in Kleinkrantz, mit ca. 10 Metern Höhenunterschied oder auf einer Rampe inmitten der Ridge. Dort durften wir auch zwei bis drei Flüge geniessen. Beim ersten Flug nahm der Wind auf einmal ab, was allen von uns einen mehr oder weniger langen Fussmarsch bescherte. An der Paradise Ridge gibt es nämlich nur am Anfang und am Ende einen Pick-up Point, wo der Bus hinfahren kann, dazwischen ist Laufen angesagt. So marschierten Felix und ich 1.5 Stunden am Strand und z.T. über Felsen entlang bis zum Gerricka’s Point. Mit über 20 Kilo Gepäck auf den Schultern, bei ca. 30 Grad, ohne Schatten, war dies schon ziemlich anstrengend, aber ein Abenteuer, was ich nicht missen möchte 😉

 

Nach einer Woche Soaren, ging’s zurück nach Kapstadt, wo wir weiter vergeblich auf fliegbare Bedingungen in der Stadt warteten (zu viel Wind). Bei einem Flug am Sir Lowry’s Pass, Nähe Kapstadt, konnten wir uns an heissere Temperaturen gewöhnen. Inzwischen war’s nämlich bis zu 35 Grad heiss geworden.

In der zweiten Woche stand Streckenfliegen auf dem Programm: Für drei Tage ging’s ins Streckenparadies Porterville. Eine 70 Kilometer (!) lange Ridge wartete dort darauf von uns beflogen zu werden. Die knackige Thermik und die Tatsache, dass man überall Landen konnte und der Rückholservice gewährleistet war, motivierten mich und alle weiteren Piloten unserer Gruppe, auf Strecke zu gehen. Der erste Tag war sehr ergiebig, da der Wind nicht sehr stark war. Die anderen beiden Tage hatten wir etwas mit Seitenwind zu kämpfen und übten uns im Flachlandfliegen. Wo es hochgeht, geht’s daneben aber auch wieder runter. Und so hörte ich meinen Sinkalarm öfters und länger als mir lieb war, obwohl dieser auf 5 m/s eingestellt war 😉

 

Und war man mal wieder „in the middle of nowhere“ gelandet, so sendete man kurz die Koordinaten an Candice und wurde einige Minuten später eingesammelt und in die Unterkunft gefahren, wo schon der Pool und kühle Drinks auf uns warteten. Streckenfliegen at it’s best! Porterville forderte uns auch in Sachen Hitze heraus: bis zu 42° Grad heiss, wurde es. Da war das Motto zum Streckenfliegen einfach: Stay high, don’t land! 😉

 

Nach den drei Tagen ging’s zurück nach Kapstadt in die Home Basis von Birdmen. Nach einem Tagesausflug nach Hermanus war es Anfang der dritten Woche endlich soweit: der Lion’s Head war fliegbar! Ich war etwas nervös am engen Startplatz, welcher umringt von Büschen und Bäumen ist, und gerade als ich starten wollte, riet mir Andy noch etwas abzuwarten, da gerade alle am absaufen waren. Eine Stunde später sah es dann wieder besser aus. Also nichts wie los! Ich schwang mich raus und erwischte eine gute Ablösung, welche mich zum Gipfel hochtrug. Kurze Zeit später erschien die ganze Stadt und der Table Mountain hinter dem Gipfel. Ich genoss den Flug und den Ausblick in vollen Zügen. Später bat uns Barry nun landen zu gehen, da es Anzeichen gab, dass der starke Ostwind, der hinter dem Lion’s Head bliess, durchbrechen könnte.

Am nächsten Tag ging es gleich nochmals zum Lion’s Head. Diesmal herrschte starker Seitenwind am Startplatz und so mancher Pilot manövrierte sich in die umliegenden Bäume und Büsche. Es kostete Überwindung dort raus zu starten, nachdem man so manchen missglückten Startversuch gesehen hatte. Doch mit Barrys und Andys Hilfe schafften wir es alle in die Luft. Beim Gipfel angekommen, formierten sich linsenartige Wolken, welche sich um den Gipfel legten. Marcel, Michael und ich genossen das einzigartige Naturschauspiel und kurvten fasziniert um die Wolken herum. Wie in Trance gleiteten wir in einem Aufwindband von ca. 100 Metern Höhe vor dem Gipfel des Lion’s Head. Einige unserer Gruppe flogen derweil die ganze Apostel-Kette hinter dem Table Mountain runter und wieder zurück. Am Landeplatz herrschte riesige Freude und Glück über diesen unvergesslichen Flug! Zweifelsfrei einer der schönsten Flüge meiner Flugkarriere!

 

 

 

 

Diesen Tag liessen wir mit einem köstlichen Straussen Braai (südafrikanisches BBQ) ausklingen. Another flying day in paradise!

In Kapstadt ist es leider nur selten fliegbar, da der Wind oft zu stark ist. So gingen wir nach den paar Tagen in der Cape Town Area für zwei Tage zurück nach Porterville. An beiden Tagen konnten wieder schöne Strecken geflogen werden, wenn es auch etwas Kraft und Konzentration kostete, die wirklich starken Turbulenzen zu handeln. Übernachtet haben wir im Dörfchen Eendekuil, im Eendekuil Hotel, welches leider, mangels Gästen, im April geschlossen wird.

 

 

Nach den zwei Tagen Porterville ging’s zurück nach Kapstadt. Ein Flug vom Paarl Rock, dem zweitgrössten Granitfelsen auf der Welt, stand an. Wegen dem schnell zunehmenden Wind konnten wir leider nicht sehr lange dort fliegen. Aber eindrücklich war die Kulisse allemal. Nach dem kurzen Vergnügen, besuchten wir ein nahe gelegenes Weingut, wo wir Mittagessen und Wein testen konnten. Da der letzte Tag unserer Ferien unfliegbar aussah, entschieden wir, am zweitletzten Tag nochmals nach Porterville zu reisen, weil dort die Chancen auf einen Flug am grössten waren. Barry’s Einschätzung erwies sich einmal mehr als perfekt: in Porterville erwarteten uns perfekte Streckenbedingungen: Frühe, starke Thermik und kaum Wind. Einige unserer Gruppe konnten an diesem Tag den geplanten 100er erfliegen, Taggi flog sogar 131 Kilometer weit (3. längste Strecke in diesem Fluggebiet). Der fliegerische Abschluss unserer Reise hätte nicht besser sein können!

 

Am Abend wurde im Steakhouse zu köstlichem Chateaubriand und gutem südafrikanischem Wein auf die erfolgreichen Ferien angestossen.

Den letzten Tag verbrachten wir mit gemütlichem Sightseeing in Kapstadt mit anschliessendem Essen an der Waterfront. Spät am Abend ging’s dann mit Edelweiss in die kalte Schweiz zurück.

Es waren Flugferien, wie sie sein müssen: Maximale Airtime, abwechslungsreiche Flüge und Landschaften, perfekte Organisation, gutes Essen und gute Leute, mit denen man die unvergesslichen Erlebnisse teilen konnte.

Vielen Dank an Andy (www.flywithandy.ch) und an Barry und Candice (www.birdmen.co.za), welche dies möglich gemacht haben!

Einen ganz grossen Dank geht auch an die super Gruppe für die unbeschwerte gemeinsame Zeit!

Die Frage ist nicht, ob ich nach Südafrika zurück kehren werde, sondern nur wann 😉

Barbara

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